Wirtschaftsflüchlinge


Bei vielen der letzten Kriege und militärischen Einmischungen ging/geht es um Öl, Bodenschätze, etc. und/oder Zugangswege zu den selbigen. Man marschiert in ein Land ein; zerbombt es; zerstört die Infrastruktur; liefert die Waffen; unterstützt Diktatoren und/oder Terrororganisationen, die einem genehm sind.

Aus einem einzigen Grund: Weil es den eigenen wirtschaftlichen Interessen entspricht.

Da werden gewachsene Strukturen in der Landwirtschaft und im Binnenhandel geschreddert, damit man dort, entsprechend der Bedürfnisse in den eigenen Ländern, billiger Zeugs anbauen kann, Viehherden großindustiell hochzüchten, oder den Schrott an Lebensmittel oder den eigenen Wohlstandsmüll auf den dortigen Markt werfen kann.

Aus einem einzigen Grund: Weil es den eigenen wirtschaftlichen Interessen entspricht.

Da lässt man Frauen und Kinder wie Sklaven arbeiten, damit man im Billigsektor der Bekleidungsindustrie auf dem heimischen Markt bestehen kann und auch dort noch Gewinne einfährt. Man lässt Menschen in anderen Betrieben/Unternehmen für einen Hungerlohn und unter unmenschlichen Bedingungen Arbeiten verrichten. Wehren sich die Menschen dagegen, dann zieht man, einer Heuschreckenplage gleich, einfach weiter ins nächste Land.

Aus einem einzigen Grund: Weil es den eigenen wirtschaftlichen Interessen entspricht.

Man zerstört die Umwelt, greift in den natürlichen Kreislauf ein, macht Wälder platt, Wasser zu einer Ware, die Meere überfischt und zu Abfalleimern degradiert, und, und, und.

Aus einem einzigen Grund: Weil es den eigenen wirtschaftlichen Interessen entspricht.

Da werden ganze Ernten vernichtet und überschüssige Lebensmittel in unvorstellbarem Ausmaße auf dem Müll entsorgt.

Aus einem einzigen Grund: Weil es den eigenen wirtschaftlichen Interessen entspricht.

Und tönt dann empört, wenn die Menschen aus diesen Gebieten fliehen: Alles Wirtschaftsflüchtlinge! Ja, sind sie. Sie fliehen vor den Folgen der Durchsetzung eurer wirtschaftlichen Interessen.

Brütende Vögel


„Man verbietet ein Konzert der Neonazis, weil sich auf dem Gelände brütende Vögel befinden.“

„Ach, das kommt doch gut, Frau Müller!“

„Nöh, für mich ist das eher peinlich. Richtig hätte ich es gefunden so ein Konzert zu verbieten, weil sich dort Rassisten, Rechtsradikale, Neonazis und Holocaustleugner treffen und gemeinsam abfeiern und mit Texten, Aussprüchen, Aufdrucken, Handzeichen und Beiträgen gegen geltendes Recht verstoßen. Aber dazu bräuchte es ja Eier in der Hose bzw. eine aufrechte innere und äußere Haltung.“

Darum


Gilt es zu verstehen: Die AfD wird nicht trotz ihres Rechtsradikalismus, ihrer Fremdenfeindlichkeit, ihres Rassismus, ihrer Homophobie, ihrer Frauenfeindlichkeit, sondern gerade wegen diesen Haltungen von den Leuten gewählt.

Wie man auf sowas kommt? Na ja, die Aussagen zu sozialen und wirtschaftlichen Fragen in den Programmen, oder in den bisherigen Anträgen und Reden in Landtagen und im Bundestag, können es nicht sein. Denn nach denen hätte sie nur eine kleine, privilegierte Wählerschaft. Da sie aber auch und gerade von denjenigen gewählt wird, die da ziemlich schlecht wegkommen, bleibt ja nur das oben Genannte als Gründe für deren Wahl übrig.

Wollte man also wirklich einen Teil dieser Wählerschaft zurück gewinnen, dann müssten die konkreten und realen Verbesserungen im sozialen und wirtschaftlichen Bereich derart deutlich im alltäglichen Leben spürbar sein, dass deren Sicherung und weiterer Ausbau eine höhere Verführungskraft hätten, als die von der AfD angebotene, auf sozialen und/oder intrapsychischen Ressentiments aufbauenden, Hasskultur.

Gibt es da irgendwo konkrete Ansätze dazu? Papier ist geduldig.

Ernst nehmen

„Die Flüchtlinge sollen wieder nach Hause gehen. Die gehören nicht hierher!“

„Und wen suchst du dir dann als Feindbild zum Puschen deiner Mickrigkeit? Die Linken, die Homosexuellen, die emanzipierten Frauen, die Vielfältigen, die Andersdenkenden, die Religiösen, die guten Menschen, die Mitfühlenden, die Schwarzen, die Freidenker, die Humanisten, die Veganer, die jungen Weltbürger? Oh, ich vergaß, die hast du ja alle schon auf deiner Abschussliste. Ich könnte dir dann noch die Linkshänder, die Brillenträger, die Fußschwitzer oder die Nacktschläfer anbieten.“

„Du nimmst mich nicht ernst!“

„Oh doch, ich nehme dich sehr ernst. Ernster als du dich selbst.“ 

Miteinander reden?!

"Wir verteidigen doch nur unsere alten, christlichen Werte, Frau Müller!"

"Die da wären?"

"Zucht und Ordnung, Gehorsam, Pflicht und Vaterland!"

"Sonst noch was?"

"Deutschland den Deutschen!"

"Schon mal was von Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Mitgefühl, Demut, Hingabe, Vergebung gehört?"

"Jetzt kommen Sie mir aber nicht mit diesem Gutmenschen Scheiß, Frau Müller! Ich habe Sie wirklich für intelligenter gehalten."

"Ich glaube wir kommen da nicht auf einen grünen Zweig miteinander."

"Grüner Zweig? Ganz genau. Weihnachten. Ein urdeutsches Fest. Haben schon die Germanen gefeiert. Lange vor dem, der da am Kreuz rumhängt und vor dem Mochamed, oder wie der heißt. Aber klar, die wollen ja alles kaputt machen. All unsere christlichen Werte!"

Warum tue ich mir solche Gespräche an? Weil, es könnte ja jemand dabei sein, der nicht ganz so verbohrt und deppert ist. Und weil ich freundlich bin und antworte, wenn das Intro nicht sofort mit Schimpfwörtern unter der Gürtellinie beginnt. Ich frage mich eher, warum wollen solche Menschen ausgerechnet mit mir schreibend kommunizieren? Was haben die davon? Haben die was davon?

*Anmerkung

Das Gespräch ist ein verkürzter Blick auf einige Gespräche bei Facebook. Die Rechtschreibung und Grammatik habe ich ein wenig verbessert, der Lesbarkeit halber.  


Mehr denn je

Gilt es zu verstehen: Fanatische Menschen jedweder Couleur haben ein Menschenbild, das hierarchisch unterteilt ist. Für die "unten", für die "anderen", für die "minderwertigen" gibt es kein Mitgefühl, keine Barmherzigkeit, keine Gnade und kein Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit. Ja, es gibt für "die da" auch kein Recht auf Leben. Das ist kein Spiel. In unserer wohlgeordneten kleinen Welt, in unserer Behaglichkeit, in unserer scheinbaren Rundumversorgung, in unserer Trägheit und Bequemlichkeit übersehen wir das gerne. Das Erwachen wird schmerzhaft sein. Für jeden Einzelnen von uns.

Spargel

„Ich bin froh, dass ich keine Ausländer mag, sagte der Horst zum Alexander, denn würde ich Ausländer mögen, müsste ich ja welche kennen – und ich kann Ausländer einfach nicht ausstehen!“*

*frei nach Lewis Carroll